Probleme mit Color Checker Passport

Wer als Fotograf mit RAW-Bildern arbeitet, kennt sicher auch das Xrite-Tool „Color Checker Passport“.

Es hilft dem Fotografen nicht nur den optimalen Weißabgleich einzustellen, sondern auch die Farbwiedergabe zu optimieren.

Leider hat das Lightroom-Plugin für den „Color Checker Passport“ ein Problem mit Bildern aus einer Nikon D810. [Siehe Update am Ende des Artikels]

Ich selbst setze den ColorChecker seit mehr als 8 Jahren ein. Erst die Classic-Version und dann den „Color Checker Passport“. Bis jetzt konnte ich aus ColorChecker-Bildern (egal ob aus einer Canon EOS 5D Mark II oder aus meiner Nikon D80) quasi per Mausklick innerhalb von Lightroom ein Farbprofil erstellen, mit dem ich die Bilder einer bestimmten Foto-Session problemlos hinsichtlich der Farben berichtigen konnte.

Seit ich mit einer Nikon D810 arbeite, ist dies aber leider vorbei!

Obwohl der Color Cecker Passport formatfüllend aufgenommen wurde, konnte das Xrite-Programm die Schnittmarken in den D810-Bildern nicht automatisch erkennen.

xrite_fehler

 

Der Support von Xrite reagierte leider nicht auf meine Anfrage. Ein Blick ins Internet zeigt, dass mehrere User (der Nikon D8xx) das gleiche Problem haben.

Als Tipp konnte man lesen, anstelle von „RAW L“ mit 7360 x 4912 Pixel die Kameraeinstellung „RAW S“ mit 3680 x 2456 zu nehmen.

Während ich meine RAW-Bilder mit einer Farbtiefe von 14 Bit und voller Auflösung aufzeichne, soll ich also für den wichtigen Farbabgleich mit dem Color Checker Passport nur 12 Bit und 1/4 der normalen Bildgröße nutzen.

Nikon schreibt im Handbuch zu den 12 Bit „SNEF“: „NEF-(RAW-)Aufnahmen der Größe S werden unkomprimiert mit 12 Bit aufgezeichnet, unabhängig davon, welche Optionen für „NEF-(RAW-)Komprimierung“ und „Farbtiefe für NEF (RAW)“ im Menü (…) gewählt sind“.

Nikon schreibt ferner auf seiner Webseite:

„Beim Vergleich der Speicherung mit 12 Bit und der mit 14 Bit fallen die Unterschiede zwischen den beiden Verfahren besonders im Detailreichtum in Schattenbereichen von Bildern auf. Bei der Speicherung mit 14 Bit werden viermal so viele Informationen gespeichert. Hiervon profitiert besonders die Wiedergabe von Details in Schattenbereichen, die wesentlich geringer belichtet werden als der mittlere und hohe Tonwertbereich.

In einer Binärzahl mit 12 Bit können 4096 verschiedene mögliche Werte gespeichert werden (2 hoch 12). Die Verwendung von 14 Bit ermöglicht 16.384 mögliche Werte, also viermal so viele wie bei 12 Bit. Die Erhöhung der Bitrate führt nicht zu einer größeren Anzahl von Pixeln oder einem vergrößerten Farbspektrum, sondern vielmehr zu einer verbesserten Präzision jedes einzelnen Bildpunktes.“

Folgt man hingegen RawDigger, so zeigt es sich, dass das „RAW S“-Format von Nikon (auch SNEF genannt) nur 11 Bit nutzt und es auch kein echtes RGB-Bild im RAW abspeichert, sondern irgendwas im YCbCr-Format – vergleichbar mit einem JPEG.

Egal, aus meiner Sicht ist das „NEF-(RAW-)Format der Größe S“ weder für die normale Arbeit, noch für eine exakte Farbbestimmung brauchbar und es gilt eine andere Lösung für die „Color Checker Passport“-Auswertung zu finden.

Da auch das „Beschneiden“ des Bildes (wie von Xrite in der Fehlermeldung angegeben) keinen Erfolg brachte, muss man leider den etwas mühevolleren Weg über die „Kamerakalibrierungssoftware ColorChecker“ gehen.

Mitte Nov. 2014 steht auf der Xrite-Webseite dafür die Version 1.02 vom 22.06.2010 zur Verfügung. Kein Wunder, dass die Software nicht mit den Bildern einer Nikon D810 umgehen kann.

4 Jahre keine Weiterentwicklung der Xrite-Software. Im Prinzip kann man da nur mit dem Kopf schütteln.

Die „Kamerakalibrierungssoftware ColorChecker“ kann aber nun nichts mit einem NEF-Format anfangen. Sie erwartet ein DNG-Bild. Also muss man zuerst den Adobe DNG-Converter bemühen.

Printscreen Adobe DNG-ConverterDas so vom NEF ins DNG-Format konvertierte Bild kann man nun in der Color Checker – Software auswerten. Doch auch hier erkennt der Color Checker seine Vorlage nicht, obwohl der ColorChecker deutlich mehr als 10% der Bildfläche einnimmt.

Colorchecker nicht gefundenAlso ist mühevoller Handbetrieb angesagt. Mit der Maus kann man die 4 Eckpunkte der Vorlage markieren und der ColorChecker quittiert dies mit kleinen Quadraten:

ColorCecker im HandbetriebEin Klick auf „Profil erstellen“ und die Vergabe eines Namens (mit Wiedererkennungswert) bringt unter Lightroom ein Farbprofil, das dem Original schon recht nah kommt.

Links unten sehen Sie die unkorrigierte Aufnahme und rechts die mit dem ermittelten Farbprofil „berichtigte“ Aufnahme: Vergleich ohne und mit ColorCheckerZur Überprüfung unserer Arbeit öffnen wir das korrigierte Bild in Photoshop. Das Bild wurde übrigens als sRGB aufgenommen und wird auch so weiter verarbeitet.

Die jeweiligen Farbquadrate sind in meinem Beispiel 343 x 343 Pixel groß. Mit dem Pipetten-Werkzeug nehme ich nun die Farben für RGB auf. Dabei wählte ich einen Aufnahmebereich von „51×51 Pixel Durchschnitt“.

Diese so ermittelten Farben gilt es mit dem Original zu vergleichen.

Während bei meinem „ColorChecker Classic“ eine Farbtabelle beilag, die mir sagt, welche Farbe welchen sRGB-Wert hat, hatte Xrite bei meinem ColorChecker Passport darauf verzichtet.

Allerdings findet man im Netz bei Robin D. Myers, einem autorisierten Xrite-Händler, eine entsprechende Tabelle.

In der oberen Reihe des nachstehenden Bildes sehen Sie die von Xrite korrigierten Farben und in der unteren Reihe die Farben, wie sie nach der Tabelle von Robin D. Myers bzw. nach der „ColorChecker Classic“-Beschreibung sein sollten (erstellt mit Photoshop):

Farbvergleich Sehen Sie mir es bitte nach, dass hier die Farben nicht 1:1 wiedergeben werden. Ich habe einfach einen Printscreen gemacht und das Bild als JPG abgespeichert. Fest steht aber, dass das von Xrite korrigierte „rot“ etwas ins orange abgleitet. Das „grün“ ist zu blass und das „blau“ zu kräftig.

Für jemand der also Wert auf ECHTE Farben legt – weil er z.B. Produktfotografie betreibt – ist die Xrite-Korrektur nicht der Weisheit letzter Schluss.

Jemand, der Landschaftsaufnahmen macht, weiss aber mit einer solchen Auswertung, dass sein Himmel in Wirklichkeit nicht ganz so kräftig war, wie auf seinem korrigierten Foto dargestellt und bei „rot“ und „grün“ muss man noch etwas an den entsprechenden Lightroom-Reglern ziehen.

Wer etwas mehr Zeit opfern will, kann auf den DNG Profil Editor von Adobe zurückgreifen:

DNG Profil EditorAuch hier müssen die jeweiligen Eckpunkte der Farbtafel markiert werden. Aber hier bitte mittig auf die entsprechenden vier „Eck-Farben“.

Das Ergebnis des DNG Profil Editors von Adobe unterscheidet sich nur geringfügig vom Xrite-Programm. Das „rot“ ist eine Nuance weniger orange, das „grün“ ist identisch und das „blau“ ist eine Nuance kräftiger.

Der Vorteil: Mit Hilfe von Vektorpfeilen bzw. Reglern können Sie die Farben individuell anpassen und so versuchen, dem Original so nahe wie möglich zu kommen.

DNG Profil Editor - FarbkorrekturAber ACHTUNG: Farbton (englisch: Hue), Sättigung (Saturation) und der Regler Helligkeit (Lightness) wirken naturgemäß auch immer ein wenig auf die anderen Farben.

Vielfach ist es schon hilfreich, nur die Gradationskurve im DNG Profil Editor etwas anzupassen und schon gibt es das gewünschte Ergebnis.

Fazit:

Der Kauf eines „ColorCecker Passports“ lohnt -aus meiner Sicht- aktuell (Nov. 2014) nur für Leute, die eine Kamera < 36 MP haben. Besitzer von Nikon D800 / D810 bzw. der Sony A7R dürften mit der aktuellen Xrite-Software (Ver. 1.02 vom 22.06.2010) nicht glücklich werden.

Aufgrund des fehlerhaften Lightroom-Plugins von Xrite bzw. der nachgeschalteten Software und der damit verbundenen umständlichen Handhabung ist weder die Software von Xrite noch der DNG Profil Editor das geeignete Werkzeug, um bei jeder Fotosession mit einer Nikon D810 mal eben auf die Schnelle ein entsprechendes Farb-Profil zu erstellen.

Für Benutzer einer 36 MP-Kamera, die viel Zeit mitbringen und die Farbdarstellung ihrer Fotos optimieren wollen, empfehle ich aktuell anstelle der Xrite-Software den DNG Profil Editor.

 

Update: Mit dem Datum vom 14.02.2016 ist X-Rite aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und hat die alte ColorChecker-Version 1.02 vom 22.06.2010 auf einen aktuellen Stand gehoben.

Jetzt steht „ColorChecker Camera Calibration“ in der Version 1.1.0 zum Download bereit. Nun ist der ColorChecker mit Adobe Photoshop Lightroom 6.1 kompatible und kann DNG-Bilder größer 40 MB verarbeiten.

Damit kann ich mein Urteil von Ende 2014 revidieren. Für die schnelle 95%-Korrektur kann ich den knapp 90,00 Euro teuren X-Rite ColorChecker Passport uneingeschränkt empfehlen. Das Problem der geringen Farbabweichung bleibt aber bestehen. Doch dafür und für den persönlichen Bildausdruck gibt es ja Lightroom.