DVD-Authoring - 7 (Platz verschenkt - oder Lesefähigkeit verbessert?)

 



Abb 1 (C) by S.Uchrin

Was Sie hier oben sehen, ist eine DVD mit einem Messschieber (oder Schieblehre wie man früher sagte). Was das soll, werden Sie fragen.

Dieses Bild will uns sagen, dass etwa ein Viertel (rund 1 GB) der DVD-RW beschrieben ist und das, obwohl das nur eine DVD mit einem 23 Sekunden langen Video - in mäßiger Qualität - ist.

Na, neugierig geworden?

Die Erklärung ist ganz einfach und doch recht komplex. Im Mittelpunkt der Erklärung steht der Laser im DVD-Player.

Hier haben wir mal so ein Bauteil:


Abb 2 - (C) by Sharp

Im Durchmesser ist das Teil 5,6 mm - damit man sich das mal vorstellen kann.

So eine Laserdiode hat mehrere Einsatzbereiche. Einmal "beschreibt" der Laser eine CD oder DVD in Ihrem Brenner und zum anderen werkelt so ein Teil in Ihrem Standalone-DVD-Player still vor sich hin und tastet Ihre DVD ab.

Der DVD-Laser über den wir hier sprechen ist für 'General use' - also für die Konsumermärkte- und nicht für 'Authoring' konzipiert.

Er sendet rotes Licht mit einer Wellenlänge von etwa 650 nm (Nano-Meter) [Authoring = 635 nm] aus. Beim Schreiben variiert das Licht in etwa von 652 - 662 nm und beim Lesen von etwa 640 - 660 nm. Die Dual-wavelength Laser Diode (Red and infrared laser), also die Laser, die sowohl DVDs und CD lesen bzw. schreiben können, lasse ich mal aus Gründen der Vereinfachung heraus.

Nun kann man nicht nur die Wellenlänge des Lichtes an einem solchen Laser variieren, sondern auch die Leistung. Beim Schreiben hat man typisch bei den neuen High Power Lasern 100 mW (Milli-Watt) und bei einem Laser in einem DVD-Player 10 mW (typischen Schwankungsbreite 4 ... 12 mW).

Ziel ist es, den Laserstrahl je nach Reflektionseigenschaft der DVD, die von allen möglichen Faktoren abhängig ist, optimal zu fokussieren.

Zu den Faktoren, die die Reflektionseigenschaften beeinflussen, gehört nicht nur die Materialauswahl der DVD selbst, die von Hersteller zu Hersteller etwas unterschiedlich sein kann, sondern auch so Umweltfaktoren, wie Alterung, Temperatur und Feuchtigkeit.

Hier z.B. eine Kennlinie von Temperatureinfluss auf die Wellenlänge des Lichtes bei einem Laser in einem DVD-Player:
 


(Abb 3)

 

Damit die Elektronik im DVD-Player den Laser beim Lesen der DVD nun optimal einstellen kann, wird die DVD in einigen Bereichen abgetastet. Der Laser wird dabei kalibriert.

Begriffe wie OPC (Optimum Power Calibration) machen da die Runde.

Viele DVD-Player benötigen nun eine DVD, die einen bestimmten "Füllgrad" hat, also mit einer entsprechenden Menge von Daten beschrieben worden ist.

Was passiert da im Detail? Sie legen eine DVD in Ihren Player ein und die Elektronik des Players positioniert den Laser an verschiedene Stellen der DVD. Dort unternimmt der Laser mehrere Leseversuche. Aus dem Ergebnis dieser Leseversuche berechnet die Elektronik die optimale Laser-Einstellung und das eigentliche Auslesen der Inhaltsverzeichnisse kann beginnen.

Wenn Sie nur sehr wenige Daten auf die DVD schreiben, greift der Laser des Players ggf. bei seinen Leseversuchen ins Leere. Je nach Softwarekonzept wird der Player den Lesevorgang generell abbrechen oder seinen Laser mit der falschen Energie betreiben. Beides ist nicht gewünscht.

Die DVD-Minus-Fraktion mit dem DVD-Forum an der Spitze hat deshalb im Rahmen der "Books" vorgesehen, mindestens 1 GB auf die DVD zu schreiben. Nach meiner Info schreibt z.B. der Pioneer-Brenner (alle Typen) immer mind. 1 GB auf die DVD, egal was das Brennprogramm da machen will.

Dennoch hat z.B. Nero eine spezielle Option für diese Zwecke vorgesehen:

Ahead bezeichnet diese Option als "Hochkompatibilitätsmodus".

Das ist eine wichtige Option, wobei ein gutes Authoringprogramm das für den Anwender eigentlich im Hintergrund machen sollte. Denn welcher Anwender kann sich unter diesem wirren Begriff was vorstellen. Und wenn Sie im Help-File suchen, sind Sie verlassen - wie so oft bei Ahead.

Roxio mit VP 5.x  oder WinOnCD 6 DVD Edition z.B. füllt bei DVD-R(W) automatisch Nullen bis zu 1 GB auf und schreibt erst dann den "Lead out".

Nun besteht die Welt nicht nur aus DVD-Minus-Brennern, sondern auch aus DVD-Plus-Brennern.

Auch hier sorgt der DVD-Brenner für eine Mindestmenge. Doch die liegt irgendwo bei 30 MB. Also viel zu wenig, um dem Laser eine einigermaßen große Fläche für die Kalibrierung zu bieten.

Philips empfiehlt dem Anwender darum mindestens die halbe DVD voll zu schreiben. ;-)

Wie sich der "Hochkompatibilitätsmodus" von Nero auf eine DVD+RW auswirkt, hat 'SVCDFan' vom DVD-SVCD-FORUM einmal untersucht:


Ausgangslage ist ein Titelset-Verzeichnis (VIDEO_TS) von ca. 324 MB. Es wird Nero Ver. 5.5.9.14 verwendet.



Beginn des "Erzeugen von DVD High-Kompatibilitätsgrenzen". Hier ist zu sehen, dass die Software offensichtlich gleichzeitig ein "Lead-out" schreibt. Sagt sie zumindest.



Ende dieser Phase bzw. Beginn der Verifizierung. Oben rechts im Fenster kann man die geschriebene Datenmenge sehen: 324 MB.

In Wirklichkeit sind in der Session aber 933 MB drin, wie das folgende Bild zeigt:



 

Die DVDPlusRW.org empfiehlt dem Anwender, die Plus-DVD mit mindestens 1/12 der Gesamtkapazität zu beschreiben (auch bekannt als 30 Millimeter
"compatibility mode").

Sie können die ganze jungfräuliche DVD+RW auch einmal beschreiben und dann wieder löschen. Man spricht dabei davon, dass eine Plus-DVD einmal enteist ("de-icing") werden muss. Damit hat sich die Reflektionseigenschaft so geändert, dass der Player diese Oberfläche nun für seine Kalibrierung nutzen kann.

Wie dem auch sei. Mir persönlich scheinen die 30 mm auch mehr als 1/12 der Gesamtkapazität zu sein - ohne dass ich das im Detail nachgerechnet hätte.

Wenn Sie also Leseprobleme mit Ihrer DVD haben, erhöhen Sie doch einfach mal die Datenmenge auf der DVD, indem sie im Menü unsichtbar einen Dummyfilm anhängen.

 

Zum Thema Laser sehen Sie beispielsweise auch :

 

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