DVD-Authoring - 2 (NV_PCK / VOBU / etc.)

 

Dieser erste Schritt, die Erzeugung eines 'Program-Streams', kann, muss aber nicht Bestandteil Ihres Authoringprogrammes sein.

Abb 1

 

Immer wenn das Authoringprogramm  z.B. Dateien mit der Endung *.m2v für den Video-Stream und *.mpa oder *.mp2 für den Audio-Stream  separat haben will, können Sie aber sicher sein, dass es selbst muxt. Ansonsten können Sie nur hoffen, dass Ihr Programm das ordentlich macht.

Es kann aber auch sein, dass Ihr Authoringprogramm einen fertigen "Programm Stream" haben will. Oder es glaubt, es hätte einen fertigen PS-Stream bekommen und ihn direkt weiterverarbeitet ohne ihn neu zu muxen. Dann haben Sie allerdings ggf. ein Problem.

Achten Sie aber darauf, dass Sie keinen "Transportstream" haben. Das sind Streams, die für die digitale Übertragung beim Fernsehen Verwendung finden. Einige Authoringprogramme wie z.B. DVDit unterstützen solche Formate nicht.

Nachdem das Authoringprogramm nun also Ihren PS-Stream analysiert hat und sich über die Verteilung der Daten im Stream im Klaren ist, werden im nächsten Schritt die Navigation Packs (kurz: NAV_PACKS oder auch NV_PCK) mit Leben gefüllt.

 
Das Ergebnis ist ein so genanntes "Video Objekt Set", abgekürzt: VOBS.

Parallel dazu wird ein IFO-File erzeugt, das Informationen (IFO = Information) über den Inhalt und das Layout des VOBS enthält. Dieses File gibt dem Player später wichtige Navigationsinformationen. Z.B. wo ein bestimmter Audio- oder Subtitel-Stream liegt.

 
Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Zusammensetzung eines solchen VOBS.

Basis für eine VOB-Datei sind auf unterster Ebene die einzelnen 2 KByte großen Datenpakete - wenn Sie so wollen, die Basisdaten, Video-Packs (V_PACK), Audio-Packs (A_PACK) und Subpicture-Packs (SP_PACK).

Zusammen ergeben Sie eine Group of Pictures (GOP).

Dass sich eine solche GOP aus I-, P- und B-Frames zusammensetzt, habe ich ja schon in den zurückliegenden Folgen beschrieben. Neu ist evtl. nur, dass eine solche GOP bei der DVD auf 15 Frames begrenzt ist.

Nach DVD-Spezifikation soll die GOP nur bei Multi-Angle-DVDs geschlossen werden (closed GOP).

Es gibt jedoch Authoringprogramme, die erwarten eine "closed GOP" auch bei jedem anderen Stream.

Bei einer "closed GOP" hört die Folge von I-, B- und P-Frames mit einem P-Frame auf, da P-Frames nur auf ein vorangegangenes I-Frame referenzieren. Ein B-Frame hingegen ist "bidirektional" und kann auch auf ein folgendes I-Frame verweisen. Damit ist die GOP aber nicht wirklich abgeschlossen.

Stellen Sie dann z.B. in TMPGEnc diese Option entsprechend ein:

Bei einer "geschlossenen GOP" ist es also für eine Nachbearbeitung, wie sie z.B. ggf. in einem Authoringprogramm geschieht, einfacher, die Abhängigkeiten der einzelnen GOPs zueinander zu editieren bzw. aufzulösen.

Einige MPEG-Applikationen produzieren darüber hinaus so genannte "variable" GOP-Längen. Prüfen Sie, ob Ihr Authoringprogramm überhaupt variable und konstante "GOP-Streams" unterstützt, bevor Sie diese Option einsetzen.

DVDit eines meiner Lieblingsprogramme z.B. unterstützt sowohl variable als auch konstante GOP-Längen - aber auch "offene" und "geschlossene" GOPs. Wenn Sie es nicht wissen, bleiben Sie bei "konstanter" Länge und "geschlossener" GOP.

 

Wenn ich Ihnen bei der Gelegenheit noch einen TIPP geben darf:

Stellen Sie die Option "Output interval of header" in der obigen Abbildung auf 1. Damit stellt TMPGEnc jeder GOP einen entsprechenden Header (also einen Kopf mit Informationen über die GOP) voran. Viele Authoringprogramme legen gesteigerten Wert auf eine solche GOP-Information.

 
Wenn man nun einer solchen GOP ein Navigations-Paket (NAV_PACK) voranstellt, hat man eine Video Object Units (VOBU). Eine VOBU dauert etwa 0,4 ... 1,2 Sekunden - damit man sich das mal zeitlich vorstellen kann.

Das NAV_PACK selbst enthält Positionierungsdaten und informiert den DVD-Player unter anderem über mögliche Sprungmarken und enthält diverse Timing-Informationen.

Wir waren aber bei den Video Object Units (VOBU). Mehrere davon bilden eine so genannte Interleaved Video Unit (ILVU). Eine solche ILVU wurde mit dem Ziel eingeführt unterschiedliche Aufnahmewinkel, die Multi-Angle-Präsentation, realisieren zu können. Von Kaufvideos kennen Sie das vermutlich, dass Sie sich per Knopfdruck auf der Fernbedienung verschiedene Kamerawinkel während eines Film ansehen können. Das sind nicht unterschiedliche Dateien auf der DVD, sondern einfach nur unterschiedliche Datenpakete, die im Wechsel hintereinander geschaltet sind.

In der Übersicht sieht das so aus:

Bei einigen Authoring-Programmen enthält eine ILVU eine VOBU und dieses wiederum eine GOP. Das Verschachtelungsprinzip ist aber identisch.

 
In der VOB-Datei sind also nun alle diese Daten seriell (hintereinander) abgespeichert. Im Prinzip sind das neben dem eigentlichen Film bis zu acht Audiospuren, maximal 32 Subpictures, sowie Informationen zur Navigation.

Im Regelfall kümmert sich die Authoring-Software selbstständig um die Aufbereitung der ILVUs bzw. des VOB-Files, wenn, ja wenn das Authoringprogramm richtig arbeitet.

 

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