Guter DVD-Sound für Ihren Film selbst gemacht
  Teil 2 - Sampling Frequenz von 44,1 auf 48 kHz wandeln mit SSRC

 

Im letzten Teil hatten wir herausgearbeitet, dass es bei der Wandlung der Sampling-Frequenz von 44.100 Hz auf 48.000 Hz bei Sounddateien Probleme bei dem ein oder anderen Programm geben kann.

Ob Ihre Schnittsoftware oder Ihr Authoringprogramm auch zu den "Soundverfälschern" gehört, müssen Sie im Zweifel selbst feststellen. Gute CDs mit Test- und Messtönen gibt es im Handel zu kaufen. Den Weg dahin habe ich Ihnen im letzten EDV-TIPP vorgestellt.

Sinnvoller als ein Allrounder ist für eine solch diffizile Aufgabe sicher aber immer ein Spezialist.

Tja....

Ja, wenn sie nicht so teuer wären - die Spezialisten. "Cool Edit" kostet in der aktuellen "Pro-Version" irgendwas so um die 250,- US$ und das nur, um die Sampling Frequenz von 44,1 auf 48 kHz zu wandeln?

Also schauen wir uns mal auf dem Markt der kostenlosen Software um.

Unser Streifzug durch´s Web führt uns zuerst zu WTC. Achtung, Ihr Browser ist nicht defekt - die Website ist nur in japanischer Sprache. ;-)

Im File WCONV04A.LZH verbirgt sich u.a. ein Programm mit dem Namen "wavefs44.exe". Wenn Sie es unter MS/DOS mit einem Fragezeichen aufrufen ( wavefs44.exe /? ), so bekommen Sie die möglichen Kommandos zu sehen (in englischer Sprache).

Über den Befehl

  • wavefs44 input.wav output.wav p3 s48

können Sie ein File von 44,1 auf 48 kHz in der Sampling Frequenz ändern. Leider gehört das Programm nicht zu den schnellsten und da ich der japanischen Sprache nicht mächtig bin, kann ich Ihnen auch nichts zu den Lizenzbedingungen sagen.

Ungeachtet der Lizenzbedingungen habe ich meinen Test-Sound durch dieses kleine Tool geschickt und siehe da, im Gegensatz zu den Schnittprogrammen ist hier ein recht klarer Sound zu sehen und zu hören.

Auffällig war jedoch, dass das Tool alle Frequenzen konsequent bei etwa 20 kHz einfach abschnitt.


Abb 1: Darstellung eines Test-WAVs (C) by Stefan Uchrin

 

So waren zwar die Töne bei 1, 18 und 20 kHz vorhanden, der 22 kHz Ton fehlte jedoch komplett. Und auch der "Sweep" endete etwas zu früh.


Abb 2: Darstellung eines Test-WAVs (C) by Stefan Uchrin

Nun haben wir in der letzen Folge gelernt, dass wir einen Sinus an der Stelle sowieso nicht hören. Aber beim Komprimieren in Richtung DVD verlieren wir noch genug Sound-Information und da wollte ich zumindest keine bei der Sampling-Rate-Wandlung verlieren.
 

Also erneute Suche im Internet:

Recht schnell stieß ich nun auf Naoki Shibata unter http://shibatch.sourceforge.net/.

SourceForge ist übrigens ( wie bereits beschrieben) eine der grössten Sammlungen von OpenSource-Programmen im Web.

Der Autor hat einen sehr schnellen "sampling rate converter" mit dem Namen "SSRC" geschrieben. Zwar ist das Tool ein Programm, das nur unter MS/DOS bzw. unter Windows im "Eingabeaufforderungsfenster" läuft, aber es ist schlicht SPITZENKLASSE! (zur Zeit in der Version 1.29 unter http://shibatch.sourceforge.net/download/ssrc-1.29.zip erhältlich).

Die Kunst besteht bei einer solchen Software darin, dass man die Sampling Frequenz ändern muss, ohne die Qualität des Sounds oder gar die Länge des Musikstückes zu beeinflussen und das ist Naoki Shibata hervorragend gelungen.

SSRC ist nicht nur sehr gut, sondern auch sehr schnell. Während "Cool Edit 2000" für die Umwandlung meines Test-Files 10 min und 20 sec. benötigte, kam SSRC mit 1 min 35 sec aus.

Selbst die Windows-"high precision version" (ssrc_hp.exe) schaffte den gleichen Job in rund 5 Minuten - also der halben Zeit wie Cool Edit.

Die Umwandlung erfolgt mit einem einfachen Programmaufruf, bei dem die Parameter übergeben werden. In der einfachsten Ausführung sieht das so aus:

  • ssrc --rate 48000 Input.wav Output.wav

"ssrc" ruft das Programm auf und "--rate 48000" bestimmt die Ausgangs-Sampling-Frequenz des Wave-Files. Die beiden WAV-Namen stehen für das "Input-" und das "Output-File".

Nun bin ich ein sehr bequemer Mensch und da ich "SSRC" nicht ständig benötige - und darum die Befehle immer wieder vergesse, habe ich mir den Vorgang etwas "automatisiert".

Ausgangsbasis ist dabei Exact Audio Copy (EAC), das ich gerne nutze, weil es -meiner Kenntnis nach- im Gegensatz zu AudioGrabber oder WinDAC einen speziellen Lesemodus, den so genannten "Secure Mode" hat. Dieser Modus liest jeden Sector der CD doppelt aus. Er vergleicht die Ergebnisse und liest im Zweifel nochmals aus bzw. korrigiert den Fehler. Das Programm macht dies, da in einigen CD-ROM-Playern die "Fehlerkorrekturfunktionen" der Player nicht einwandfrei bzw. genau genug arbeiten.

Wie Sie vermutlich aufgrund des Bildes erahnen können, habe ich jedem Track der CD einen Titel zugeordnet bzw. per Datenbankabfrage zuordnen lassen.

EAC erlaubt es dem User nun beim "grabben", das Musikstück auf Festplatte unter dem echten Namen abzuspeichern, den Sie dabei auch noch recht frei ergänzen können.

Die "Track-Titel"-Angabe (%T) habe ich somit für die Abspeicherung um die Zeichenkette "SR44100_" erweitert.

Dadurch erscheinen die einzelnen Files nachher etwa so auf meiner Festplatte:

Ich brauchte für jedes File auf meiner Festplatte nicht nur eine eindeutige Bezeichnung, um schon rein optisch zu erkennen, mit was für einer Sampling-Frequenz es erstellt wurde, ich brauchte für die automatische Umwandlung auch einen immer gleichen Anfangsnamen.

Nun rufe ich nur noch eine Batchdatei mit dem Namen "convert.bat" auf und wie von Geisterhand wird die Samplingrate aller Files in einem Arbeitsgang von 44,1 auf 48 kHz gewandelt.

Na gut....

Hinter der "Geisterhand" verbirgt sich ein kleines Ablauf-Programm, das mit einem einfachen Menü unter MS/DOS auf dem Bildschirm erscheint. Wenn ich schon mit MS/DOS-Software arbeite, dann schon richtig. ;-)

Hier kann ich also auswählen, ob ich schnell oder genau gewandelt haben will.

Damit das Programm läuft, benötigt man im Prinzip nur 4 Files, die im gleichen Verzeichnis wie die WAV-Files liegen müssen oder Sie müssen den Pfad entsprechend anpassen:

  • convert.bat (meine Batchdatei)
  • ssrc.exe (von Naoki Shibata)
  • ssrc_hp.exe (SSRC - "high precision version" von Naoki Shibata)
  • CHOISE.COM aus dem Hause LiWing IT-Services (www.liwing.de)

 

Um Menüs in Batch-Programmen zu realisieren, gab es -ich glaube bis MS-DOS 6.0- den Befehl "choice".

Der Befehl gab eine Meldung aus und wartete dann auf einen Tastendruck. Die gedrückte Taste wurde als ASCII-Wert in der Variablen "Errorlevel" zurückgeliefert. Windows NT oder XP hat diesen Befehl leider nicht mehr.

In diese Lücke ist aber der ein oder andere clevere Programmierer gestoßen. Einer dieser Leute ist Jens Rehsack von LiWing IT-Services in Halle.

Sein Unternehmen bietet auf der Website http://www.liwing.de/produkte/dos/choice/ ein kleines  *.COM-Programm an, dass ich leidenschaftlich gerne für solche Batch-Programmierungen einsetze.

Das Programm steht unter einer BSD-Style Lizenz und kann kostenlos genutzt werden.

"Die BSD-Style Lizenz (so genannt, weil sie für die Berkeley Standard Distribution von UNIX verwendet wurde) ist die älteste und zugleich die am wenigsten restriktive Lizenzierungsart. Sie räumt dem Lizenznehmer das Recht ein, selbst aus der Software abgeleitete Versionen zu entwickeln und diese als traditionell-kommerzielle Software ohne Offenlegung des Quellcodes zu vertreiben. Ein Beitrag zur Verbesserung der veröffentlichten Version der Software ist dabei keine Pflicht.

Viele Mitglieder der OpenSource-Gemeinde rümpfen die Nase, wenn Dritte sich von veröffentlichten Quellen bedienen ohne ihrerseits einen Beitrag zu leisten (was auch als das Schwarzfahrer-Problem bezeichnet wird). Doch auch ohne diese Verpflichtung gibt es eine Menge freiwilliger Mitarbeiter. " *)

"Ohne BSD-lizenzierte Software (z.B. TCP/IP-Stacks, BIND, Apache und sendmail) gäbe es das Internets in der heutigen Form nicht. So wurden viele Techniken im BSD direkt in andere Systeme übernommen. Microsoft hat sich bei Windows NT z.B. sehr exzessiv bedient und der im Windows implementierte IP-Stack stammt aus dem BSD-System." schreibt mir Jens Rehsack von LiWing IT-Services.

 

Wenn Sie die Software also nutzen oder weiterentwickeln wollen, so freut sich Jens sicher über eine Spende für seine Arbeit.

Doch zurück zum eigentlichen Thema:

Drücke ich nun in meinem "Mini-Programm" die Taste "2", so erscheint folgender Bildschirm

Nachdem alle Files umgewandelt sind, finden sich im entsprechenden Unterverzeichnis sowohl die WAV-Files mit einer Samling-Rate von 44.100 Hz (direkt von CD importiert) als auch die mit SSRC gewandelten Files, die als Hinweis alle mit HP_SR48000 für "high precision / Sampling-Rate 48 kHz" anfangen:

Wer Interesse an meinem kleinen Tool hat, kann es sich als ZIP-File downloaden.

Schauen wir uns zum Abschluss noch die Wandlungsqualität an. Natürlich wieder am Beispiel unserer bereits bekannten Testdatei.

Und was sehen wir?


Abb 3: Darstellung eines Test-WAVs (C) by Stefan Uchrin

Saubere klare Frequenzverläufe ohne Oberwellen und Wandlungsfehler.

Noch ein Blick auf die bereits bekannte Frequenzanalyse nach der Suche nach Oberwellen oder sonstigen Verschmutzungen:

Auch hier ein klarer sauberer Ton bei 22 kHz ohne jedweden Müll.

Damit hatte ich ein weiteres Tool auf dem Weg zu einem guten DVD-Sound gefunden.

Es mag noch unendlich viele von solchen tollen Programmen geben. Wenn Sie ein anderes haben, testen Sie es und wenn Sie zufrieden sind, nutzen Sie es. Der EDV-TIPP will Ihnen nicht irgendein Produkt besonders empfehlen. Ich möchte mit dieser Ausarbeitung nur auf einige der möglichen Probleme hinweisen, die einen so bei der täglichen Arbeit ereilen können.

Wandeln Sie also möglichst früh in der Prozesskette nach dem "grabben" die Sounddateien auf eine Sampling-Frequenz von 48 kHz um - und zwar vor dem eigentlichen Videoschnitt. Das ist meine eigentliche Empfehlung.

Ihre Zuhörer werden es Ihnen später danken.

Ob Ihr Schnittprogramm damit allerdings immer etwas anfangen kann, schauen wir uns in der nächsten Folge an.

 

*) Quelle: http://www.interbase2000.de/misc/oslic.htm

 

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