EDV-TIP vom 04.09.99
Guten Tag liebe EDV-TIP-Leser, mein heutiger Tipp ist zweigeteilt. Der Ich will hier nichts über die besonderen Tipps und Tricks (wie z.B. das Übertackten von Prozessoren) erzählen, die zahlreiche Rechnerfreaks einsetzen. Hier geht es heute nur um die Maßnahmen, die jeder ergreifen kann, um einen etwas schwachen Rechner flotter zu machen. Vor einigen Wochen hat unsere zentrale EDV-Abteilung alle Notebooks mit einem neuen "Master" upgedatet. Leider hat diese neue Installation einige Haken und Ösen. Ein paar User melden weiterhin Abstürze, andere User vermelden ein "langsames System". Wie kann man nun die Performance des Rechners verbessern? Schauen wir uns zuerst einmal die Standardprogramme an, die automatisch gestartet wurden. Unten rechts in der Taskleiste wird es bei Ihnen vermutlich vergleichbar aussehen.
Hier finden Sie von links nach rechts: McAfee VShield (= Virenscanner), Energieanzeige, Lautstärkeeinsteller, McAfee VirusScan Konsole, WinFax-Controller und die Uhrzeit. Einige Notebookbesitzer finden darüber hinaus in der unteren linken Ecke der Taskleiste folgenden Button:
Dabei handelt es sich um ein Programm zum Sichern Ihrer Daten auf Magnetband. Warum diesen Button nicht alle Kollegen sehen, ist mir zwar ein Rätsel, aber ich muss ja nicht alles verstehen. Dazu kommt noch ein "wunderschöner" Bildhintergrund mit dem Logo unserer Firma. Es soll ja auch Kollegen geben, die auf dem Desktop das Bild Ihrer Kinder oder das Bild Ihrer Frau oder Freundin zur Anzeige bringen.
Auf den ersten Blick ist Ihnen vermutlich gar nicht klar, was die Programme da so eigentlich alle machen und wofür man sie benötigt. Bevor ich das erkläre - zuerst etwas Theorie (wer will, kann das aber auch überspringen): Das von Ihnen benutzte Betriebssystem Windows 95 führt mehrere Anwendungen (Prozesse) quasi parallel, also fast gleichzeitig aus. Man spricht dabei von "Multitasking". Der Begriff ist zwar in diesem Zusammenhang nicht ganz sauber, aber wir verwenden ihn dabei einfach mal. Ein sogenanntes "Multithreading" (Thread: engl. Strang, Faden) unterteilt die Aktivität in einem Prozess nochmals in eigenständige Ausführungsfäden. Ein Prozess kann also aus vielen Threads bestehen, wobei jeder Thread Speicher benutzt, der dem übergeordneten Prozess zugewiesen wurde. Threads (nicht die gesamten Prozesse) werden vom Betriebssystem verwaltet und bilden die Grundlage für die Zuteilung von CPU-Zeit beim Multitasking. Windows-Anwendungen können viele Threads besitzen. Laufen jedoch zu viele Threads gleichzeitig, können diese Speicher verschwenden und die CPU verlangsamen. Um nun herauszufinden, was da auf meinem Rechner passiert, habe ich mal einfach einen "Sensor" installiert, der die Anzahl der zur Zeit auf dem Computer laufenden Threads überwacht und ein kleines Programm, welches mir den "verbrauchten" Speicher anzeigt. Speziell schaut dieses Programm auf die Auslastung des physischen Speichers (RAM) des Computers. Anwendungen arbeiten übrigens schneller, wenn Sie physischen statt virtuellen Speicher (Festplatte) nutzen können. Nun habe ich einfach mal eine Bestandsaufnahme gemacht: Ich habe den Rechner eingeschaltet und kein weiteres Programm aufgerufen (nur die Programme, die mir zwangsweise installiert wurden und natürlich meine "Sensoren"). Aber die brauchen wirklich sehr wenig Speicher. Es geht bei den gemessenen Werten auch nicht um absolute Größen, sondern es geht mir um die Tendenz. Also, der Rechner macht noch nichts und es sind schon 48 Threads aktiv. Von meinen 40 MB RAM Hauptspeicher sind bereits 39,4 MB RAM "verbraucht" und die Auslagerungsdatei ist mit 49,5 MB gefüllt. Für meine eigenen Anwenderprogramme habe ich also gar keinen physischen Speicher mehr frei. Der wird schon von Windows bzw. den zahlreichen Hintergrundprogrammen belegt. In Multitasking-Betriebssystemen übersteigt die Menge an benötigtem Hauptspeicher für alle geladenen Programme oftmals die Größe des wirklich vorhandenen RAMs. Daher benutzt das Betriebssystem sogenannten virtuellen Speicher. Dazu lagert es Teile des Speicherinhalts auf einen speziellen Bereich der Festplatte - die sogenannte Auslagerungsdatei, englisch Paging- oder Swap-File - aus und lädt sie erst wieder, wenn ein Programm tatsächlich darauf zugreift. Dieses "Umschaufeln" der Daten kostet aber Zeit. Um nun eine Aussage über das Startverhalten von Programmen zu machen, habe ich einfach mal MS Word gestartet und die dazu notwendige Ausführungszeit gemessen. Also, Rechner starten und dann Word aufrufen. Das kann man natürlich automatisieren, damit man reproduzierbare Ergebnisse bekommt. Und dabei habe ich dann einfach die Zeit gemessen, die vom Aufruf des Programms vergeht bis zu dem Zeitpunkt, wo man den Cursor in Word sieht und mit seiner eigentlichen Arbeit beginnen kann. Um es kurz zu machen: Der Start von Word benötigt 10,32 Sekunden ! Wie schafft man es nun, seinen Rechner schneller zu machen? Ganz einfach! Werfen Sie die Hintergrundprogramme, Online-Virenscanner bzw. Desktop-Bilder in den elektronischen Mülleimer. Ihr Rechner wird deutlich schneller. Nach meiner Reinigungsaktion startet Word in 4,73 Sekunden anstelle von 10,32 Sekunden. Dabei muss ich allerdings sagen, dass die größte Zeitersparnis auf die Deinstallation von McAfee - Antivirus zurückzuführen ist. Bei der jetzt vorhandenen Installation des Virenprogrammes muss man schon ganz schön paranoid sein bzw. unter Verfolgungswahn leiden (hier ist die Angst vor Viren gemeint), um eine solche Programminstallation auf einem so schwachen Rechner zu verstehen. Um mit dem Rechner nun wirklich arbeiten zu können, habe ich meine kpl. Festplatte auf CD gesichert. Und dann habe ich mir auf den gleichen Rechner Windows 98 und das Officepaket und das was man sonst noch so im Außendienst benötigt aufgespielt und siehe da, nun startet Word in 3,71 Sekunden. Ich habe also nichts am Speicher oder an der Festplatte gemacht. Ich habe nur die "richtige" Software installiert und schon "ging die Post ab". Zuerst wollte ich hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung schreiben, damit jeder EDV-TIP-Leser die Möglichkeit hat, seinen Rechner etwas zu "tunen". Doch nach dem Ende meiner Untersuchung muss ich sagen - das ist der falsche Weg. Wenn Ihr Notebook abstürzt oder Sie das Gefühl haben, dass er zu langsam läuft, dann reklamieren Sie ihn bei Ihrem EDV-Support. So einfach ist das.
Im zweiten Teil will ich Ihnen aber doch den ein oder anderen Hinweis geben, wie Sie Ihren Rechner beschleunigen können. Beschäftigen wir uns zuerst mal mit den Programmen, die automatisch gestartet werden. Gehen Sie nun über "Start", "Ausführen..." und geben Sie "sysedit" (natürlich ohne Anführungszeichen) ein. Klicken Sie jetzt auf OK. Nun erscheint etwa folgendes Bild (aus Gründen des Speicherplatzes zeige ich Ihnen bei den Bildern immer nur einen Ausschnitt):
Gehen Sie mal mit einem Mouseklick auf den Rahmen mit der Bezeichnung WIN.INI.
In unserer Beispiel-WIN.INI sehen Sie schon drei Plagegeister, die nicht benötigt werden, aber Speicher kosten: Im Eintrag "load" (wird von Windows in den Hintergrund geladen) finden wir die Anwendung "OCRAWARE.EXE". Bei der Installation von Omnipage wurde dieser Eintrag gemacht. Was, Sie haben Omnipage noch nie benutzt und glauben, das sei eine "Seite aus Omi´s Kochbuch", dann wird es höchste Zeit, sich auch von diesem Ballast zu befreien. Omipage läuft übrigens auch ohne diesen Eintrag. Unter "RUN" (wird von Windows direkt ausgeführt) steht die Anwendung "DITTO.EXE". Hierbei handelt es sich um ein Programm zur Sicherung der Daten auf Ihr Bandlaufwerk. Wer das nicht nutzt, weil er z.B. noch nie seine Daten auf ein vorhandenes Tape gesichert hat, kann auch auf das entsprechende Programm verzichten. Hinter dem Eintrag "Wallpaper" finden Sie das Hintergrundbild, das auf Ihrem Desktop erscheint. Ein beliebter Speicherfresser ist zum Beispiel ein großes, möglichst vielfarbiges Hintergrundbild. Dieses muss natürlich beim Systemstart erst mal geladen werden. Da Windows relativ oft auf die Datei zugreifen muss, landet sie dann meistens im Festplatten-Cache und belegt dort wertvollen Speicherplatz. Eine Bitmap mit 1024 x 768 Pixeln und 16 Millionen Farben ist immerhin 1,5 MByte groß. Unser Bild hier zwar deutlich kleiner - aber auch das kostet Speicherplatz. Gehen Sie mit dem Cursor bei dem jeweiligen Eintrag hinter das Gleichheitszeichen und drücken Sie die Eingabetaste. Dann schreiben Sie an den so entstandenen neuen Zeilenanfang einfach ein Semikolon. Das Bild sollte nun so aussehen:
Nun gehen Sie auf den Menüpunkt "Datei" und dann auf "Speichern". Fertig! Starten Sie Ihren Rechner mal zur Sicherheit neu. Wenn etwas nicht einwandfrei arbeiten sollte, können Sie Ihre Änderungen ja auf umgekehrtem Weg wieder rückgängig machen.
Nun nehmen wir uns das Autostartverzeichnis von Windows vor. Die hier beschriebene Methode funktioniert unter Windows 95 und Windows 98 gleichermaßen. Sie klicken bitte mit der RECHTEN Mousetaste auf den "Start"-Button. Dann wählen Sie den Menüpunkt "Explorer". In der rechten Bildhälfte doppelklicken Sie nun das Icon "Programme" und dann das Icon "Autostart". Hier sehen Sie nun die Programme, die Windows vollautomatisch lädt. In unserem Beispiel sind das folgende Programme:
Machen Sie sich bei jedem einzelnen der Einträge wirklich Gedanken, ob sie ihn brauchen. Entfernen können Sie ihn ggf. mit einem Klick der rechten Mousetaste auf den jeweiligen Eintrag. Klicken Sie danach auf "Löschen". Weg ist er. Das Wiederherstellen ist hier allerdings etwas schwerer. Sie müssen die Verknüpfung unter Windows 95 von Hand wieder herstellen. Einfacher haben es dabei die Windows 98 - Nutzer. Sie rufen einfach mal über "Start" und "Ausführen..." das Programm MSCONFIG auf. Dann erscheint folgendes Bild:
Wechseln Sie nun auf die Karteikarte "Autostart".
Hier können Sie zum Versuch Einträge in den Startdateien und der Registry vorübergehend außer Kraft setzen. Das Programm eignet sich damit hervorragend dazu, einigermaßen gefahrlos an der Systemkonfiguration herumzuspielen und Verschlimmbesserungen rückgängig zu machen. Allerdings sollte man nicht vergessen, vor solchen Aktionen die betroffenen Dateien über die entsprechende Schaltfläche auf dem Register "Allgemein" zu sichern. Schlägt dann der Systemstart fehl, kann man immer noch mit einer Diskette die Eingabeaufforderung booten und die Dateien mit normalen copy-Befehlen in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Doch daran sollten sich nur die Profis unter Ihnen heranwagen.
Ein letzter Punkt (auch für den Laien nutzbar), der etwas Geschwindigkeitszuwachs verspricht, ist die Optimierung der Festplatte. DOS als Grundlage von Windows schreibt seine Daten auf der Festplatte in sogenannte Cluster. Das hat jedoch einen unangenehmen Nebeneffekt. Ist nämlich nicht genug zusammenhängender Platz für die neu zu schreibenden Daten vorhanden, teilt DOS die Datei auf mehrere Cluster auf. Auf diese Weise entstehen nach vielen Lösch- und Kopieraktionen Dateien, die kreuz und quer über die Platte verteilt (fragmentiert) abgespeichert sind. Das Lesen einer so auf der Platte verteilten Datei erfordert - durch häufiges Neupositionieren des Schreib-/Lesekopfes - erheblich mehr Zeit als bei einer linear gespeicherten. Eine ähnliche Situation entsteht auch, wenn eine Datenbankanwendung mehrere Datensätze liest oder schreibt. Auch hier sind die Daten in der Regel nicht linear innerhalb einer Datei angeordnet, sondern in dieser verteilt. Da die Auslagerungsdatei dynamisch wächst, wird sie ebenfalls früher oder später nicht mehr in einem zusammenhängenden Bereich auf der Festplatte liegen, also ebenfalls fragmentiert sein. Wenn Windows nun Daten aus ihr nachladen will, müssen die Köpfe der Festplatte unter Umständen weite Wege zurücklegen, was sich natürlich negativ auf die Geschwindigkeit auswirkt. Ein einfacher Weg, hier das System etwas zu optimieren, ist das Programm DEFRAG.EXE. Aufruf wieder über "Start" und "Ausführen..." DEFRAG und OK. Es geht aber auch über "Start", "Programme", "Zubehör", "Systemprogramme" und dann "Defragmentierung". Nun erscheint folgendes Bild:
Klicken Sie einfach auf OK. Je nach Status (bzw. Windows-Version) erscheint dann noch ein weiteres Bild. Klicken Sie hier ggf. auf "Starten". Nun erscheint etwa folgendes Bild:
Lassen Sie Ihren Rechner nun ruhig alleine - er benötig eine recht lange Zeit für die Defragmentierung. Wenn er fertig ist, können Sie die Festplatte wechseln und den Vorgang erneut starten. Wer sehen will, was da so auf seinem Rechner passiert, kann übrigens auf den Button "Details einblenden" klicken. Spannend.... sehr spannend... Alle diese Maßnahmen werden Ihnen sicher helfen, Ihren Rechner etwas zu beschleunigen.
Grüße |