Internet-Radio mit Winamp

 

Die meisten von Ihnen werden sicher den kostenlosen WinAMP Player der Firma Nullsoft kennen. (WinAMP steht übrigens für Windows Audio MPEG Player):


Abb 1: WinAMP 3 Beta3

Der Player ist ein wahrer Allrounder. Neben dem MP3 Format kann WinAMP, dank verschiedenen Plugins, so ziemlich alles abspielen was irgendwie nach Audio aussieht. Und dennoch ist die Bedienung kinderleicht. Im Zweifel hilft: http://www.winamp-faq.de/deutsch/.

Wer neben seinem Microsoft-Browser auch noch Netscape installiert hat, ist vermutlich schon im Besitz irgendeiner WinAMP-Version. Allen anderen Usern kann ich nur ein baldiges Download empfehlen.

Bleiben wir noch einen Augenblick beim Thema MP3:

Was heißt MP3?

"MP3 ist die heute übliche Kurzbezeichnung für den ISO/IEC-Standard zur Kompression von digitalen Audiosignalen, wie er in ISO/IEC IS (Internationaler Standard) 11172-3 (MPEG-1 Layer-3) und 13818-3 (MPEG-2 Layer-3) beschrieben ist. Dieser Standard ist Teil der Familie der MPEG (Moving Pictures Experts Group) - Standards zur digitalen Kompression von Audio- und Videosignalen, wie sie heute im digitalen Fernsehen, digitalen Rundfunk und im Internet eingesetzt werden.

MPEG Audio Layer-3 (kurz "MP3") erlaubt die Kompression von Musiksignalen auf ca. 8 % der sonst notwendigen Datenmenge fast ohne hörbare Unterschiede zum Originalsignal." Quelle:  http://www.iis.fhg.de.

Die Forschungsarbeit, die sich hinter MP3 verbirgt, ist etwas älter, als man vielleicht auf den ersten Blick vermutet. Die Entwicklungen begannen 1987 in der Forschungseinrichtung des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen ( Fraunhofer IIS-A) in Erlangen unter Leitung von Professor Dieter Seitzer bzw. Prof. Heinz Gerhäuser

Nun könnte man meinen, dass im Zeitalter von großen Festplatten eine solche Komprimierung nicht so wichtig ist. Entscheidend für den Erfolg von MP3 war es, dass es durch diese Technologie möglich wurde Musik in guter Qualität über das Internet zu transportieren.

Das MP3-Format unterstützt mehrere so genannte Bitraten [ bps bzw kbps]. Diese geben an, wie viele Bit an Speicherplatz die Datei pro Sekunde benötigt wird. Mit dieser Bitrate kann man also die gewünschte Qualität und Größe der entstehenden Datei festlegen.

Wir wollen uns in diesem Zusammenhang nicht mit den Details einer solchen Komprimierung beschäftigen. Man kann jedoch vereinfacht sagen, dass Sounddateien durch das Entfernen unhörbarer Informationen ober- und unterhalb der menschlichen Hörschwelle aus der entsprechenden Ausgangs-Datei heraus komprimiert werden. 

Auch hört man leise Töne nicht mehr, wenn etwas lautes diese "verdeckt". Das oft benutzte Beispiel ist eine leise Stimme vor einem Presslufthammer. Generell kann man in diesem Zusammenhang sagen, dass unser Ohr tiefe Töne, die zusammen mit lauten Tönen gespielt werden, nicht gut hören kann. 

Während sie vermutlich auf einer CD noch zu hören wären, werden solche Töne im MP3-Format fast vollständig herausgeschnitten. 

Das Prinzip der MP3-Komprimierung basiert also auf der Tatsache, dass das menschliche Ohr nicht alle Tonfrequenzen hört, die moderne Musikgeräte generieren können. Und ein MP3-Encoder eliminiert nun genau diese für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Frequenzen.
 

Was ist nun eine "gute" Qualität?

POP-Musik ohne große Lautstärke- bzw. Dynamikunterschiede hört sich je nach Wiedergabesystem schon mit 96 ... 128 kbps recht passabel an. Geben Sie jedoch die Musik einer Harfe, einer Geige oder einer Violine bzw. ein entsprechendes Konzert als MP3 mit Datenraten unter 192 kbps über Ihre HiFi-Anlage wieder, so wird es dem Kenner vermutlich die Ohren weghauen.
 

Meine Empfehlung bzw. Einschätzung:

BitrateVergleichbar mitErklärung
256 kbps ... 320 kbpsCD-Qualität 
und besser
Für Musik mit großem Klangspektrum und hoher Dynamik.
192 kbpsbeinahe CDMein Favorit für eine noch erträgliche Ausgewogenheit von Komprimierung auf der einen Seite und notwendiger Dynamik auf der anderen Seite.
128 kbpsje nach Musik 
fast CD
128 kbps wird in der Regel vollkommen  für 'synthetisierte' Musik, also z.B. für Dancefloor, Hip Hop oder Techno ausreichen. Auch für POP-Musik (Musik mit leichter Dynamik) noch zu gebrauchen. Bei Gitarren- oder Violinenmusik erkennt man mit ein wenig Übung unangenehme akustische "Schlieren", die sogenannten Artefakte. Meiner persönlichen Meinung nach ist diese Datenrate auch für viele Gesangspassagen -trotz der Meinung vieler "Experten"- absolut ungeeignet. 

Nimmt man die Unzulänglichkeiten aber in Kauf, so liefert diese Bitrate aber ein durchaus erträgliches "Musikprogramm".

96 kbpsUKW-RadioMusik für geringe Qualitätsansprüche
56 kbpsTelefonGut verständlich für Sprache - weniger geeignet für Musik
24 kbpsMobilfunkReine Sprachübertragung - für Musik ungeeignet

Auch hier gilt - wie beim Video, dass eine VBR (variable Bitrate) einer CBR (konstante Bitrate) deutlich überlegen ist. Die Bitrate wird also der Komplexität einer musikalischen Passage angepasst. Die Spezialisten schauen sich im Zweifel dabei das Klangspektrum genau an und passen die Datenrate der jeweiligen Musiksequenz individuell an.

 


Nun werden Sie fragen, was diese Technologie und der WinAMP-Player mit dem Thema Radio zu tun hat?

Vor rund zwei Jahren bin ich durch Zufall bei einer Recherche über Mallorca auf die Kombination Internetradio und WinAMP-Player gestoßen.

Ausgangspunkt war das Inselradio.

Auf UKW 95,8 MHz sendet dieser Sender ein deutsches Programm auf Mallorca. Doch die Programm-Macher beschränken sich nicht nur auf Mallorca - nein, sie wollen die ganze Welt mit ihrem Inselradio erobern. Und dafür nutzen Sie das Internet.

Mit Hilfe eines Kompressionssystems, dem MP3-Streaming - ermöglichen sie es, das Radio-Programm des Inselradios via Internet quasi weltweit zu empfangen.

Audiodaten sind nun normalerweise recht "groß". Eine normale Single (ein Soundtrack) benötigt im WAV-Format irgendwas zwischen 40 und 50 MB. Im MP3-Format hingegen nur noch etwa 3 ... 6 MB.

Und genau bei einer solchen Kompression setzt das Audio-Streaming an:

Ein Streaming-Verfahren ermöglicht erst einmal generell das interaktive Abrufen von Audio- und Videodaten im Netz, ohne dass zunächst ein vollständiger Datei-Download notwendig ist. 

Dabei wird der Sound fast in "Real-Time" abgespielt, während Sie mit einer bestimmten Website verbunden sind. Die Wiedergabe erfolgt also gleichzeitig mit dem Datenempfang. 

Zum Abspielen gestreamter Inhalte benötigen Sie aber eine spezielle Player-Software. Momentan haben sich die Lösungen von Microsoft (MediaPlayer), Apple (Quicktime) und Real Networks (Real Player) sowie der bereits angesprochene WinAMP Player (Nullsoft) durchgesetzt.

Wir wollen uns heute nur mit dem MP3-Streaming á la Nullsoft beschäftigen.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei unserem o.a. Inselradio.

Unter http://www.live-inselradio.com/inselradio.pls können Sie ein so genanntes Playlist-File herunterladen. Es gibt dabei zwei Arten von Playlists: *.PLS und *.M3U.

In einer solchen Playlist stehen gar nicht so viele Informationen, wie unser Beispiel zeigt:

             [playlist]
File1=http://stream.live-inselradio.com:8080/inselradio.mp3
Title1=inselradio.mp3
Length1=13
File2=http://stream.live-inselradio.com:8080/inselradio
Title2=INSELRADIO 95.8 FM
Length2=-1
NumberOfEntries=2
Version=2

Die wichtigste Information dabei ist die Adresse des Internetservers, von dem das Radioprogramm aus "gesendet" wird. In unserem Fall http://stream.live-inselradio.com:8080

Wenn Sie also das entsprechende PLS-File haben, können Sie es mit Hilfe des WinAMP-Player diese Datei laden:


WinAMP Ver 2.5 Lite

Über "ADD" und "ADD File" laden Sie einfach das o.a. Inselradiofile "Inselradio.pls"

Wie sie sehen, habe ich auf der "Reise" durch das Web schon einige Radioprogramme gesammelt. ;-)

Nach einem Klick auf den Button "öffnen" erscheint das "Inselradio" in der "WinAMP Playlist":

Ein Doppelklick auf diesen Eintrag führt dazu, dass ein erster Teil des Programms in einen Buffer (Speicher) geladen wird.

Sobald der Buffer gefüllt ist, hören Sie auch schon das "Inselradio" und zwar mit schlappen 40 kbps und 22kHz.

Vergleicht man mal die örtliche Zeitangabe mit der heimischen Zeit, so ist der Zeitversatz beim Streaming je nach Buffergröße typisch < 45 sec. Wenn es also auf Mallorca genau 12:00 Uhr ist, bekommen Sie die entsprechende Info knapp 40 sec später zu hören.

Um herauszufinden, wie das Wetter auf Mallorca ist, ist der Zeitversatz vollkommen unkritisch und die angebotene Qualität sicher ausreichend. Doch für eine richtig gute Musikqualität ist die übertragene Bitrate nicht so toll.

Doch die Leute von Nullsoft bieten noch mehr Möglichkeiten - und zwar mit ihrem Shoutcast-Server

Hier kann nicht nur jeder das Radioprogramm seiner Wünsche hören, sondern hier kann jeder auch sein eigenes Radioprogramm anbieten. 

Privatleute können also unter Zuhilfenahme der kostenlosen Shoutcast - Plugins und bestimmter Tools (die sehr gut zu WinAMP passen) ihre eigene Radiostation im Internet errichten. (vergl.: http://www.mpex.net/info/shoutdj.html). Ganz unkritisch ist das hinsichtlich der rechtlichen Bedingungen nicht, denn wenn man sich genau die Copyright Bestimmungen durchliest, wird man schnell feststellen, das einige Auflagen zu erfüllen sind, wenn man ein "Online Radio" betreibt. Sehen Sie dazu auch die Hinweise der GEMA.

 
Wir wollen hier und heute aber nicht über das "Radiomachen", sondern über das Radiohören sprechen. 

Seitdem ich die T-DSL Flatrate habe, läuft bei mir immer öfter ein Internet-Radioprogramm, denn so habe ich die Möglichkeit, mir meine Musiksender aus einem weltweiten Angebot herauszusuchen. 

Interessant wird dies aber erst bei einer Geschwindigkeit von > 128 kbps, da sich die Sender ansonsten wie auf Mittel- oder Langwelle anhören. 

Schauen wir uns die Website von SHOUTcast einmal im Detail an:

Hier finden wir im rechten Bereich des Fensters eine Auswahlmöglichkeit, bei der Sie nicht nur die für die Übertragung zur Verfügung stehende Bandbreite definieren können, hier können Sie auch Ihre Musik-Wunschfarbe eingeben:

Von Blues, über Rock zu Country, Gospel oder Film-Musik - hier finden Sie so ziemlich alles was das Herz begehrt.

Wählen Sie dann das jeweilige Radioprogramm aus und klicken Sie auf "Tune In!"

Danach haben Sie die Möglichkeit, die hinter diesem Link liegende Playlist auf Ihrem Rechner abzuspeichern.

Vergeben Sie beim Abspeichern ggf. individuelle Namen, damit Sie nachher noch wissen, was sich hinter der jeweiligen Playlist befindet.

 
Eleganter ist das alles aber mit einem Programm wie z.B. RipCast v1.3 von Xoteck Software http://www.xoteck.com.

Dieses Programm ist der Clou schlechthin: Seit der Niederlage Napsters im Streit mit der Plattenindustrie suchen viele MP3-Fans nach neuen Ressourcen. Diese Software bietet sie. Das Programm sorgt dafür, dass die Songs, die Sie hören, komfortabel geschnitten und archiviert werden können.

Das ist im Prinzip so, als wenn Sie während des Radiohörens im Hintergrund ein Tonband mitlaufen lassen. Wenn der "ausstrahlende" Sender einzelne MP3-Dateien überträgt, so speichert das Programm diese Dateien auch einzeln (!) mit allen wichtigen Informationen auf Ihrer Festplatte ab.

Das Programm bietet die Möglichkeit, wie auch in der Online-Version, das entsprechende Genre auszuwählen:

Hier habe ich einmal die "Top 20" ausgewählt:

Dabei wird Ihnen neben dem Programm-Namen und dem aktuellen Programm, die Bitrate, wie auch die Auslastung des Servers angezeigt.

Leider hat sich mit der Version 1.3.1 das Erscheinungsbild von RipCast grundsätzlich geändert. Der Autor hätte es hier besser zu Gesicht gestanden, nicht nur die letzte Index-Nummer seiner Software weiterzuzählen, sondern eine kpl. neue Versionsnummer zu vergeben. Doch über kostenlose Software wollen wir nicht meckern. ;-) 

RipCast ist nun mehr zum Browser geworden. Dies bringt zwar eine höhere Flexibilität mit, die Bedienungsfreundlichkeit ist jedoch auf der Strecke geblieben.

Unter "Station Browser" finden Sie ein echtes Browserfenster:

Ich gehe nun meist folgenden Weg:

Mit einem Klick auf den Button "TuneIn" erscheint je nach Browser etwa folgendes Fenster:

Ich entscheide mich hier für "öffnen" und damit startet mein WinAMP-Player. Auf diese Art und Weise kann man sehr gut in die einzelnen Sendungen hineinhören.

In der WinAMP-Playlist klicke ich mit der rechten Maustaste auf den aktuellen Eintrag und wähle (wie oben dargestellt) "File info" aus.

Jetzt bekomme ich eine Info über die URL, zu der ich verbunden bin:

Markieren Sie den Eintrag http://210......... und fügen Sie ihn in die Zwischenablage ein. 

Im RipCast-Fenster "Current Downloads" können Sie diese URL nun wieder einfügen:

Im Prinzip geht es nun sowohl bei der Version 1.3 als auch bei 1.3.1 gleich weiter:

Sie klicken auf "Connect" und die Verbindung zum Server wird hergestellt.

Jetzt können Sie die Wiedergabe starten und das jeweilige Programm aufzeichnen - und zwar, wie Sie hier sehen, jeden Song einzeln. Wichtig ist es, bei der Auswahl der Sender darauf zu achten, dass die Streams die Titelangaben mit übergeben (ID3 TAG), da ansonsten der Ripper keine einzelnen Stücke abspeichern kann.

Das Ergebnis ist eine Festplatte voll MP3-Songs:

 
Das Hören der Sender ist nun problemlos und erlaubt. Strittig könnte lediglich die Aufzeichnung der Musikstücke sein. Zu den rechtlichen Fragen sehen Sie bitte: http://www.weinknecht.de/mp3

Aus meiner Sicht ist es aber ohne Bedeutung, ob Sie Ihre Musik via Tonband aus der "Luft" oder mittels PC via Internet aufzeichnen. Wichtig ist allerdings für den Radio-Anbieter die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen.

In diesem Zusammenhang wird auch klar, das die GEZ ganz wild auf die Computer als Empfangsgeräte für Radio und Fernsehprogramm ist.

Das Internet bietet also jede Menge guter Livestreams von Radiostationen auf der ganzen Welt. Internetnutzer, denen eine hohe Bandbreite zur Verfügung steht, können diese Möglichkeit nutzen und rund um die Uhr nonstop Musik hören. 

Ich persönlich übertrage die so gewonnenen MP3-Files via USB über einen entsprechenden Adapter

direkt auf eine CompactFlash-Speicherkarte, die ich meinem digitalen Fotoapparat "entliehen" habe. Und von dort geht es in einen Microboss-MP3-Player zum Preis von 39,- Euro.


Microboss MP3-Player mit sep. Kopfhörer
(C) by S.Uchrin 

 

Für die Musik im Liegestuhl am Swimmingpool die ideale Kombination. Also hören und holen Sie sich Ihre Musik aus dem Internet.

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Vergl.: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/musik/3640/1.html

 

Update auf RipCast 1.3.1 am 09.05.02 11:00 Uhr